Wie man die NaOH-Menge für die Seifenherstellung berechnet

Ich habe ja im NaOH-Artikel schon erklärt was NaOH eigentlich ist und worauf bei der Verwendung geachtet werden muss. Bezüglich der Sicherheitshinweise könnt ihr euch hier informieren. Um Fette, Öle und Wachse mit der Natronlauge zu verseifen, muss hierfür die erforderliche Menge an NaOH berechnet werden.

Jedes Fett und jedes Öl besitzt eine eigene Verseifungszahl, die angibt, wie viel NaOH (oder KOH) nötig ist, um das jeweilige Fett oder Öl komplett zu verseifen. Kokosfett hat zum Beispiel eine Verseifungszahl von 0,1850 (NaOH). Möchte man nun also 1000 Gramm Kokosfett mit Hilfe von NaOH vollständig verseifen, benötigt man 1000 x 0,186 = 186g. In diesem Fall würden wir also 186g der NaOH Plättchen abwiegen, diese Menge in etwa 550g kaltes Wasser (etwa 2 bis 3x der NaOH-Menge) rieseln lassen und die dann entstandene Natronlauge zu den abgewogenen 1000 Gramm Kokosfett geben. Als Ergebnis würden wir eine reine Kokosölseife erhalten, die allerdings mit keinem Gramm überfettet und somit auch nur wenig pflegend wäre. An dem genannten Beispiel fehlt also ein Berechnungsschritt, um eine wirklich pflegende Seife herstellen zu können: der Grad der Überfettung. Ein gewisser unverseifter Anteil Fette, meist etwa 3-10%, ist gewünscht. Der Fettüberschuss hat verschiedene Vorteile:

  1. Der Überschuss dient als Überfettungsmittel, um den Seifen pflegende Eigenschaften zu verleihen und den Säureschutzmantel der Haut zu schonen.
  2. Der Überschuss dient als Sicherheitsfaktor, um Rechenfehler auszugleichen und somit zu verhindern, dass die Seife zu viel Lauge enthält und somit zu scharf wird.

Beachten sollte man generell Folgendes: Wird zu viel Lauge verwendet, als zur Verseifung der Öle nötig ist, wird die Seife sehr scharf und ist somit auch nicht gut für die Haut. Wird jedoch viel zu wenig Natronlauge verwendet, kann die Seife schneller ranzig werden, sie ist meist weich und schmierig und schäumt schlecht. Es ist also wichtig, die Laugenmenge genau zu berechnen. Besser ist es daher, die Berechnung auch zweimal durchzuführen oder eine andere Person nachrechnen zu lassen. Wem die aufwendige Rechnerei nicht zusagt, der kann auch einfach den Naturseife-und-Kosmetik.de Seifenrechner nutzen.

Und so berechnet man den Überfettungs-Anteil der Naturseife

Soviel nun also zum Hintergrund der Überfettung. Jetzt erfahrt ihr aber, wie die Berechnung mit Überfettungsanteil vorgenommen werden kann. Eine Tabelle mit Verseifungszahlen für NaOH und KOH findet ihr zum Download auf Naturseife-und-Kosmetik.de/Anleitungen.

Und hier nun ein einfaches Rechenbeispiel: Wir möchten eine feste Seife herstellen, die sowohl 500g Kokosöl als auch 500g Kakaobutter enthalten soll. Da wir eine sehr pflegende, rückfettende Seife wünschen, wählen wir einen Überfettungsanteil von 8%. Was tun wir nun also zuerst? Richtig, wir nehmen die Verseifungszahlen-Tabelle zur Hand und suchen uns die NaOH-Verseifungszahlen (denn NaOH ergibt feste Seifen) von Kokosfett und Kakaobutter heraus. Da die Fette, Öle und Wachse natürliche Produkte sind, unterliegen diese Zahlen Schwankungen. In der Tabelle habe ich daher Mittelwerte berechnet, die ihr zur Berechnung verwenden könnt. Die Verseifungszahl (Mittelwert) von Kokosöl liegt also bei etwa 0,1830, diejenige von Kakaobutter bei 0,1380.

Nun müssen wir folgende Berechnung vornehmen:

500g Kokosöl x 0,183 = 91,5g NaOH 500g Kakaobutter x 0,137 = 69g NaOH

Um beide Fette vollständig zu verseifen, würden wir also insgesamt 160,5g NaOH benötigen. Da wir aber eine pflegende Seife haben möchten, die einen unverseiften Fettüberschuss von 8% enthält, rechnen wir wie folgt weiter:


(91,5g NaOH + 69g NaOH) – 8% (160,5) – 12,84g NaOH = 147,66g NaOH

Somit benötigen wir also nur noch 147,66g NaOH, um einen Großteil der Fette zu verseifen und einen pflegenden Fettüberschuss von 8% zu erhalten. Diese Seife wäre also mit 8% überfettet. Die errechnete NaOH-Menge wird nun in das kalte Wasser (Faustregel etwa 2-3x soviel wie die NaOH-Menge) rieseln gelassen, um eine Natronlauge herzustellen. Diese Laugen geben wir später zu den Fetten und emulgieren das Ganze zur Seifenmasse. Die Berechnung von NaOH oder KOH ist nicht sehr schwierig, jedoch sehr zeitaufwendig. Je mehr Fette, Öle und Wachse in einem Seifenrezept verwendet werden, desto mehr Zeit müsst ihr also für Berechnung einplanen. Es ist zudem sinnvoll, mindestens einmal nachzurechnen, um Rechenfehler aufdecken zu können. Damit ihr es einfacher habt, habe ich euch einen praktischen  Seifenrechner erstellt. In diesem Rechner findet ihr 70 Fette und Öle und könnt die Berechnung innerhalb von Sekunden vornehmen. Zudem kann der Seifenrechner auch die Mischverseifung berechen. Also die Berechnung von einer Mischung KOH/NaOH vornehmen. Hier geht es direkt zum Seifenrechner!

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