Raumdüfte und ihre Wirkung auf Körper und Seele

Alles über Potpourris, Duftsäckchen und Co.

Friedrich Schiller konnte nur schreiben, wenn es in seinem Arbeitszimmer nach Apfel roch. Der französische Schriftsteller Marcel Proust widmete dem Duft eines kleinen Stück Gebäcks ganze Seiten seines Hauptwerks „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Und nicht nur er erlebte regelmäßig den „Proust-Effekt“, wie er heute in Forscher- wie in Werbekreisen genannt wird: Ein vertrauter Geruch kann ganze Fluten an Gefühlen und Erinnerungen freisetzen und einen in die Zeit und die Situation zurückversetzen, in der man ihn das erste Mal wahrnahm. In meinem Artikel zu ätherischen Ölen habe ich bereits beschrieben, wie Düfte und Gerüche direkt auf limbische System des Menschen wirken und damit unsere Stimmungen und unser Wohlbefinden in jeder Hinsicht erheblich beeinflussen. Richtig eingesetzt, sind sie damit Balsam für Körper und Seele.

Schön und erfreulich: Schon mit einfachen Mitteln kann man sich viel Gutes tun und für eine angenehm duftende Umgebung sorgen. Potpourris und Duftsäckchen, Räucherwerk, ätherische Öle und Duftsträuße sind bestens geeignet, Räumen die gewünschte Atmosphäre zu verleihen und – ganz nach Wunsch – eine anregende oder beruhigende Wirkung zu entfalten.

Potpourris

Im 18. und 19. Jahrhundert waren „Potpourris“ schlicht Gefäße, in denen wohlriechende Pflanzenteile aufbewahrt wurden, die die Raumluft verbessern sollten. Heute bezeichnet der Begriff Mischungen aus getrockneten Blättern, Blüten, Früchten  und anderen Pflanzenteilen, die nicht nur angenehme Gerüchte verbreiten, sondern – beispielsweise in einer schönen Schale arrangiert – auch ausgesprochen dekorativ sein können.

Der Eigengeruch eines Potpourris ist allerdings eher dezent: Um es tatsächlich zum raumfüllenden Duftspender zu machen, wird meist mit ätherischen Ölen nachgeholfen, die zum Charakter der jeweiligen Mischung passen. Gemeinsam mit einem so genannten Fixativ, das die Düfte im Potpourri bindet, sorgen sie dafür, dass die oft sehr farbenfrohen Zusammenstellungen auch nachhaltig zur angenehmen Geruchsquelle werden. Bewährt hat sich dafür beispielsweise Veilchenwurzelpulver, das problemlos in Apotheken erhältlich ist.

Potpourris selbst machen

Ein ansprechendes Potpourri ist schnell und einfach hergestellt. Für die individuelle Mischung eignen sich eine Vielzahl pflanzlicher Bestandteile, die man überwiegend in freier Natur und im eigenen Garten sammeln oder aber einzeln im Handel kaufen kann. Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt – hier nur einige Vorschläge, die sich bestens für ein selbst gemachtes Potpourri eignen:

  • Farbton Rosa und Rot: Blütenblätter und Blüten von Rose (auch ganze Rosenknospen), Fuchsie, Hortensie oder rosa Schafgarbe, getrocknete Hagebutten
  • Farbton Gelb und Orange: Blütenblätter und Blüten von Ringelblume, Sonnenblume, gelber Gladiole oder Frauenmantel, getrocknete Zitronen- und Orangenscheiben
  • Farbton Blau und Violett: Blüten und Blütenblätter von Lavendel, Kornblume oder Rittersporn
  • Farbton Grün: Gräser, Rosen- und andere feste Blätter, Rosmarin, Wacholder, Moose, Flechten, Piniennadeln
  • Farbton Weiß: Blütenblätter von weißen Rosen oder Margariten
  • Farbton Braun: Baumzapfen, Zweige, Rindenstückchen, Getreideähren, Sternanis, Zimtstangen, Vanilleschoten, Gewürznelken oder Piment

Wichtig ist, dass alle Zutaten des Potpourris gut getrocknet sind. Frisch gepflückte Blumen und Pflanzen kann man dazu zu kleinen Büscheln zusammenbinden und an geeigneter Stelle aufhängen.

Ist die Wunsch-Zusammenstellung fertig, kommt der Duft an die Reihe: Fixativ und ätherische Öle müssen gut vermischt werden – am besten in einer kleinen Schüssel. Rund 25 Gramm Veilchenwurzelpulver sollten für ein Potpourri normaler Größe reichen, die Menge der ätherischen Öle kann je nach Duftauswahl und gewünschter Intensität variieren – in der Regel sind 15 bis 30 Tropfen genug.

Farbige Dekorelemente, die später als Blickfang dienen, sollten beim nächsten Schritt außen vor bleiben: Einfach die schönsten Blütenblätter zur Seite tun und separat aufbewahren. Das verbliebene Gros der Trockenelemente kommt dann in eine größere Schüssel  und wird mit der Duftzubereitung vermengt. Anschließend ist etwas Geduld gefragt: Die fertige Mischung sollte sechs bis acht Wochen in einem luftdichten Plastikgefäß lagern, um den Duft voll und ganz aufzunehmen. Ist es schließlich soweit, kann das Potpourri in einer schönen Schale oder einem anderen dekorativen Gefäß (das allerdings nicht aus Metall sein sollte) arrangiert und mit den bunten Blütenblättern dekoriert werden, die man zuvor aufgespart hat. Jetzt entfaltet es seine volle Wirkung…

Duftsäckchen

Ist der Dekors-Effekt weniger gefragt, dafür aber die vielseitige Verwendung, gibt es eine weitere Möglichkeit,  Potpourris zu nutzen: In kleine Stoffbeutel gefüllt werden aus den bunten Mischungen angenehm riechende Duftsäckchen. Besonders beliebt ist die Füllung mit Lavendel: Ein kleiner Duftsack mit den getrockneten Blüten des Strauchgewächses sorgt nicht nur unter dem Kopfkissen für einen ruhigen Schlaf und in der Sockenschublade für einen angenehmen Geruch, sondern soll sogar Motten aus Kleiderschränken und -kommoden fernhalten. Zitrus-Öle und Lemongras in Kombination mit zwei bis drei Gewürznelken hingegen schützen im Sommer vor lästigen Stechattacken einschlägiger Insektenarten. Ein weiterer Vorteil des Potpourri-Säckchens: Lässt die Duftintensität einmal nach, können die eingelagerten ätherischen Öle durch etwas Kneten und Drücken wieder freigesetzt und das Säckchen somit mehrfach aufgefrischt werden.

Räucherkräuter/Räucherwerk

© unpict - Fotolia.com Weihrauch

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Räucherkräuter und Räucherwerk haben eine lange Tradition in der Kulturgeschichte der Menschheit. Im asiatischen Raum gibt es kaum eine religiöses Zeremonie oder  ein spirituelles Ritual, in dem keine Räucherstäbchen verwendet werden: Der Rauch der verglühenden Mischungen aus Harzen, Hölzern und Kräutern soll den Geist reinigen und Energien ins Gleichgewicht bringen. Auch das westliche Pendant, die Räucherkerze, ist im Zuge des modernen Weihnachtsbrauchtums ein gängiges Mittel, um eine beschauliche, fast schon sakrale Atmosphäre zu schaffen – nicht nur in der Kirche, sondern auch in Wohnräumen.

Die rauchige Note, die sich beim Glimmen eines Stäbchens oder eine Kerze wohlig warm ausbreitet, kommt nicht von ungefähr: Beim Abbrennen von Räucherwerk wird stets Rauch UND Duft frei – meist handelt es sich bei den Duftstoffen um ätherische Öle. Räucherstäbchen, die mittels einer Rolltechnik auf einem Holzträger aufgetragen werden, neigen dabei zu stärkerer Rauchentwicklung und einem weniger intensiven und reinen Duft als Räucherwerk, das durch Pressen oder Kneten in Form gebracht wird. Sie alle werden auf einer geeigneten Unterlage oder in einem Träger entzündet und verglühen so lange, bis nur mehr Asche zurückbleibt. In dieser Zeitspanne, die je nach Kerze oder Stäbchen 20 bis 30 Minuten dauern kann, setzen sie ihren Duft frei, der sich sehr nachhaltig und intensiv verteilt.

Naturgemäß ist die Duftrichtung traditionellen Räucherwerks eher holzig und balsamisch. Myrrhe, Weihrauch, Sandelholz oder Zeder zählen zu den klassischen Zutaten, werden aber inzwischen auch mit künstlichen Duftstoffen angereichert, um saisonaler Nachfrage und individuellen Vorlieben gerecht zu werden. Da allerdings viele dieser chemisch hergestellten Aromastoffe bei entsprechender Veranlagung allergische Reaktionen hervorrufen oder Atemwegsreizungen auslösen können, rate ich doch dazu, nur zu Räucherwerk mit natürlichen Inhaltsstoffen zu greifen. Und es nicht zu übertreiben: Beim Abbrennen von Räucherwerk entstehen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH), die in großen Mengen krebserregend sein können. Was nicht heißt, dass der gelegentliche Genuss der charakteristischen  Düfte eines hochwertigen Räucherwerks gleich schädlich ist. Man sollte nur später gut durchlüften.

Ätherische Öle

Zu ätherischen Ölen, ihrer Anwendung und Wirkung habe ich an anderer Stelle bereits viel zusammengetragen. Sie sind eine der einfachsten, vielfältigsten und – richtig eingesetzt – auch effektivsten und gesündesten Möglichkeiten, ein angenehmes Raumklima zu schaffen. Für jede Stimmung und für jeden Bedarf gibt es das passende ätherische Öl. Mitunter reichen schon wenige Tropfen in einer kleinen Schale mit Wasser als angenehme Duftquelle in der Wohnung. Intensiver wird der Effekt, wenn man eine Duftlampe verwendet, in der das Wasser der Trägerschale und damit das ätherische Öl selbst erhitzt wird. Letzteres verdampft nach und nach und entfaltet rasch seinen vollen Wirkung. Ähnliche Effekte verleihen auch die sogenannten Dufttarts, die man ganz einfach selber machen kann.

Naturreine ätherische Öle sind in der Regel – sofern keine entsprechenden Allergien vorliegen – als Raumduftspender gesundheitlich unbedenklich. Allerdings ist auch hier die richtige Dosierung wichtig: Meist sind ein bis zwei Tropfen in der Duftlampe völlig ausreichend, und ein Zuviel kann durchaus Kopfschmerzen oder Übelkeit auslösen.

Duftsträuße

Zum Abschluss noch eine besonders kreative und schöne Art, gerade im Winter in den heimischen vier Wänden für angenehmen Geruch zu sorgen: der Duftstrauß! Im Grunde nichts mehr als ein gängiger Blumenstrauß, sorgen in diesem Bündel aus Blumen, Kräutern, Zweigen und vielleicht dem ein oder anderen Accessoire gewisse duftende Elemente für dezenten Wohlgeruch. Besonders weihnachtlich wirkt beispielsweise eine Mischung aus  Viburnum und Illex-Zweigen kombiniert mit den duftenden Nadeln der Cryptomeria-Tanne, einigen Zimtstangen und getrockneten Orangenscheiben.

Im Sommer ist die Auswahl noch weit größer: Majoran, Zitronenmelisse, Lavendel, Basilikum, Salbei und viele weitere Kräuterpflanzen machen sich auch als angenehm riechender Strauß bestens in einer Vase – oder natürlich als saisonübergreifender Trockenstrauß an Decke, Wand oder anderweitig arrangiert, den man – und hier schließt sich quasi der Kreis zum Potpourri – zusätzlich mit ätherischen Ölen versetzen kann, um seine Duftwirkung zu verstärken.

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